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      .: "Erich Kästner. Fabian. Die Geschichte eines Moralisten". Atrium
Verlag,  Zürich.   Printed  in  Germany  1999.   OCR  &  spellcheck   by
Pashka-Nemets, 5 February 2003
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     Vorwort des Verfassers

     Über  dieses nunmehr bald fünfundzwanzig Jahre alte Buch  kursierten im
Laufe der Zeit  recht verschiedene  Urteile, und es wurde noch  von manchen,
die  es  lobten,  mißverstanden.  Wird man's  heute besser  verstehen?
Gewiß   nicht!  Wie  denn  auch?  Daß   im  Dritten  Reich  die
Geschmacksurteile  verstaatlicht,  in Phrasen  geliefert  und  millionenfach
geschluckt  wurden,  hat Geschmack  und Urteil  breiter Kreise bis in unsere
Tage  verdorben.  Und  heute sind, noch  ehe sie sich regenerieren  konnten,
bereits   neue,  genauer,   sehr  alte  Mächte  fanatisch   dabei,  wiederum
standardisierte Meinungen  - gar nicht so verschieden von  den vorherigen  -
durch  Massenimpfung  zu verbreiten. Noch  wissen  viele  nicht, viele nicht
mehr, daß man  sich Urteile selber bilden  kann und sollte. Soweit sie
sich darum bemühen, wissen  sie  nicht, wie man's anfängt.  Und  schon sind,
angeblich  zum Schütze der  Jugend, Kuratelgesetze gegen moderne  Kunst  und
Literatur in Vorbereitung.  Das  Wort "zersetzend"  steht  im Vokabular  der
Rückschrittler längst  wieder  an  erster  Stelle. Verunglimpfung  ist eines
jener Mittel, die  den Zweck  nicht nur heiligen,  sondern ihn, nur zu  oft,
auch erreichen.
     So wird heute noch  weniger als  damals begriffen werden, daß der
"Fabian"   keineswegs   ein  "unmoralisches",   sondern  ein   ausgesprochen
moralisches  Buch ist. Der ursprüngliche Titel,  den, samt  einigen  krassen
Kapiteln,  der  Erstverleger  nicht zuließ,  lautete "Der Gang vor die
Hunde". Damit sollte, schon auf dem Buchumschlag, deutlich werden, daß
der Roman ein bestimmtes Ziel verfolgte: Er wollte warnen. Er wollte vor dem
Abgrund  warnen,  dem sich Deutschland und damit Europa näherten! Er  wollte
mit angemessenen,  und das  konnte  in diesem Falle nur bedeuten, mit  allen
Mitteln in letzter Minute Gehör und Besinnung erzwingen.
     Die  große  Arbeitslosigkeit,  die der  wirtschaftlichen folgende
seelische   Depression,   die  Sucht,  sich  zu   betäuben,  die   Aktivität
bedenkenloser Parteien, das waren Sturmzeichen der  nahenden Krise. Und auch
die unheimliche Stille vor dem Sturm fehlte  nicht - die einer  epidemischen
Lähmung gleichende Trägheit der Herzen. Es trieb manche, sich  dem Sturm und
der  Stille  entgegenzustellen. Sie  wurden beiseite geschoben. Lieber hörte
man den Jahr marktschreiern  und Trommlern  zu,  die  ihre  Senfpflaster und
giftigen Patentlösungen anpriesen. Man  lief  den Rattenfängern nach, hinein
in den Abgrund, in dem wir nun, mehr  tot als lebendig, angekommen sind  und
uns einzurichten versuchen, als sei nichts geschehen.
     Das  vorliegende Buch,  das großstädtische  Zustände  von  damals
schildert,  ist kein Poesie- und Photographiealbum, sondern eine Satire.  Es
beschreibt nicht, was war, sondern es übertreibt. Der Moralist pflegt seiner
Epoche keinen Spiegel, sondern einen Zerrspiegel vorzuhalten. Die Karikatur,
ein legitimes  Kunstmittel, ist das äußerste, was er vermag. Wenn auch
das  nicht  hilft,  dann hilft  überhaupt  nichts mehr.  Daß überhaupt
nichts  hilft,  ist  - damals wie  heute - keine Seltenheit. Eine Seltenheit
wäre es  allerdings,  wenn das den Moralisten entmutigte.  Sein angestammter
Platz ist  und bleibt  der verlorene Posten. Ihn füllt er, so  gut  er kann,
aus. Sein Wahlspruch hieß immer und heißt auch jetzt: Dennoch!
     Erich Kästner




     ERSTES KAPITEL

     Ein Kellner als Orakel
     Der andere geht trotzdem hin
     Ein Institut für geistige Annäherung

     Fabian  saß   in  einem   Café  namens  Spalteholz  und  las  die
Schlagzeilen  der  Abendblätter.  Englisches   Luftschiff   explodiert  über
Beauvais,  Strychnin  lagert  neben  Linsen, Neunjähriges  Mädchen  aus  dem
Fenster gesprungen, Abermals erfolglose Ministerpräsidentenwahl, Der Mord im
Lainzer  Tiergarten,  Skandal im Städtischen Beschaffungsamt, Die künstliche
Stimme in der Westentasche, Ruhrkohlenabsatz  läßt nach, Die Geschenke
für Reichsbahndirektor Neumann, Elefanten auf dem Bürgersteig, Nervosität an
den Kaffeemärkten, Skandal um  Clara Bow,  Bevorstehender  Streik von 140000
Metallarbeitern, Verbrecherdrama  in  Chikago, Verhandlungen in Moskau  über
das  Holzdumping,  Starhembergjäger rebellieren. Das tägliche Pensum. Nichts
Besonderes.  Er  nahm  einen  Schluck  Kaffee und  fuhr  zusammen.  Das Zeug
schmeckte  nach Zucker. Seitdem er, zehn Jahre war das her, in  der Mensa am
Oranienburger Tor  dreimal wöchentlich  Nudeln mit  Sacharin hinuntergewürgt
hatte, verabscheute er  Süßes. Er zündete sich eilig eine Zigarette an
und rief den Kellner.
     "Womit kann ich dienen?" fragte der.
     "Antworten Sie mir auf eine Frage."
     "Bitte schön."
     "Soll ich hingehen oder nicht?"
     "Wohin meinen der Herr?"
     "Sie sollen nicht fragen,  Sie sollen antworten. Soll ich hingehen oder
nicht?"
     Der Kellner kratzte sich unsichtbar hinter den  Ohren. Dann trat er von
einem  Plattfuß auf den anderen und meinte  verlegen:  "Das beste wird
sein, Sie gehen nicht hin. Sicher ist sicher, mein Herr."
     Fabian nickte. "Gut. Ich werde hingehen. Zahlen."
     "Aber ich habe Ihnen doch abgeraten!"
     "Deshalb geh ich ja hin! Bitte zahlen!"
     "Wenn ich zugeraten hätte, wären Sie nicht gegangen?"
     "Dann auch. Bitte zahlen!"
     "Das versteh ich nicht!" erklärte der  Kellner  ärgerlich. "Warum haben
Sie  mich dann überhaupt gefragt?" "Wenn  ich  das  wüßte", antwortete
Fabian.
     "Eine  Tasse Kaffee,  ein Butterbrot,  fünfzig, dreißig, achtzig,
neunzig  Pfennig", deklamierte  der andere. Fabian legte eine Mark  auf  den
Tisch und  ging. Er  hatte keine  Ahnung, wo er  sich  befand.  Wenn  man am
Wittenbergplatz auf den Autobus I klettert, an der  Potsdamer Brücke in eine
Straßenbahn umsteigt, ohne  deren Nummer zu lesen, und zwanzig Minuten
später den  Wagen  verläßt, weil plötzlich  eine  Frau  drinsitzt, die
Friedrich  dem Großen ähnelt, kann  man wirklich nicht wissen, wo  man
ist.
     Er  folgte  drei  hastig  marschierenden  Arbeitern  und  geriet,  über
Holzkohlen  stolpernd, an Bauzäunen  und grauen  Stundenhotels  entlang, zum
Bahnhof  Jannowitzbrücke.  Im  Zug  holte  er  die  Adresse  heraus, die ihm
Bertuch,  der Bürochef, aufgeschrieben hatte: Schlüterstraße 23,  Frau
Sommer.  Er fuhr bis zum Zoo. Auf der Joachimsthaler Straße fragte ihn
ein dünnbeiniges, wippendes Fräulein, wie er drüber  dächte. Er beschied das
Anerbieten abschlägig, drohte mit dem Finger und entkam.
     Die Stadt glich einem Rummelplatz. Die  Häuserfronten waren  mit buntem
Licht  beschmiert,  und  die  Sterne am  Himmel konnten  sich  schämen.  Ein
Flugzeug knatterte über die Dächer. Plötzlich regnete es Aluminiumtaler. Die
Passanten blickten hoch, lachten und bückten sich. Fabian dachte flüchtig an
jenes  Märchen,  in dem ein kleines  Mädchen  sein  Hemd  hochhebt,  um  das
Kleingeld aufzufangen,  das vom Himmel fällt. Dann holte er von  der steifen
Krempe eines  fremden  Hutes einen Taler herunter. "Besucht  die  Exotikbar,
Nollendorfplatz  3,  Schöne  Frau  en,  Nacktplastiken,  Pension  Condor  im
gleichen Hause", stand darauf. Fabian hatte mit einem Male die  Vorstellung,
er fliege  dort oben im Aeroplan und sehe auf sich  hinunter, auf den jungen
Mann  in  der  Joachimsthaler  Straße,   im  Gewimmel  der  Menge,  im
Lichtkreis der Laternen und Schaufenster, im Straßengewirr der fiebrig
entzündeten Nacht.
     Wie klein der Mann war. Und mit dem war er identisch! Er überquerte den
Kurfürstendamm. An einem der Giebel rollte eine Leuchtfigur, ein Türkenjunge
war es, mit den elektrischen  Augäpfeln. Da  stieß jemand heftig gegen
Fabians Stiefelabsatz.  Er  drehte sich mißbilligend  um. Es  war  die
Straßenbahn gewesen. Der Schaffner fluchte.
     "Passense auf!" schrie der Polizist.
     Fabian zog den Hut und sagte: "Werde mir Mühe geben."
     In der  Schlüterstraße  öffnete  ein grünlivrierter  Liliputaner,
erklomm  eine  zierliche Leiter,  half  dem  Besucher  aus  dem  Mantel  und
verschwand.  Kaum  war  der kleine  Grüne weg, rauschte  eine  üppige  Dame,
bestimmt  Frau Sommer, durch  den Vorhang  und sagte:  "Darf ich Sie in mein
Büro bitten?" Fabian folgte.
     "Mir wurde Ihr Klub von einem gewissen Herrn Bertuch empfohlen."
     Sie  blätterte  in  einem Heft und nickte. "Bertuch,  Friedrich  Georg,
Bürochef,   40   Jahre,   mittelgroß,  brünett,  Karlstraße   9,
musikliebend, bevorzugt schlanke Blondinen, nicht  über fünfundzwanzig Jahre
alt."
     "Das ist er!"
     "Herr Bertuch  verkehrt  seit  Oktober bei  mir und war  in dieser Zeit
fünfmal anwesend."
     "Das spricht für das Institut."
     "Die Anmeldegebühr beträgt zwanzig Mark. Jeder Besuch kostet zehn  Mark
extra."
     "Hier  sind  dreißig  Mark."  Fabian   legte  das  Geld  auf  den
Schreibtisch.  Die üppige Dame steckte  die Scheine  in eine Schublade, nahm
einen Federhalter und sagte: "Die Personalien?"
     "Fabian,   Jakob,   32   Jahre   alt,   Beruf   wechselnd,   zur   Zeit
Reklamefachmann,  Schaperstraße  17,  herzkrank, Haarfarbe braun.  Was
müssen Sie noch wissen?"
     "Haben Sie hinsichtlich der Damen bestimmte Wünsche?"
     "Ich möchte mich nicht festlegen. Mein Geschmack neigt zu Blond,  meine
Erfahrung  spricht dagegen. Meine Vorliebe  gehört großen Frauen. Aber
das Bedürfnis ist nicht  gegenseitig. Lassen Sie die Rubrik  frei." Irgendwo
wurde Grammophon gespielt.  Die üppige Dame erhob sich  und  erklärte ernst:
"Ich darf  Sie,  bevor wir hineingehen, mit den wichtigsten Statuten bekannt
machen. Annäherungen der Mitglieder untereinander werden nicht übelgenommen,
sondern erwartet. Die Damen genießen dieselben Rechte  wie die Herren.
Von  der Existenz, der Adresse und den Gepflogenheiten des Instituts ist nur
vertrauenswürdigen Herrschaften Mitteilung zu  machen. Der idealen Absichten
des  Unternehmens  ungeachtet  sind  die Konsumkosten sofort zu begleichen.
Innerhalb der Klubräume hat keins  der Paare Anspruch darauf, respektiert zu
werden. Paare, die  ungestört  zu bleiben wünschen, werden gebeten, den Klub
zu verlassen. Das Etablissement dient  der Anbahnung von  Beziehungen, nicht
den  Beziehungen  selber.   Mitglieder,   die   einander  vorübergehend   zu
gegenseitigem  Befund  Gelegenheit gaben,  werden  ersucht,  das  wieder  zu
vergessen, da nur auf diese Weise Komplikationen  vermeidbar sind. Haben Sie
mich verstanden, Herr Fabian?"
     "Vollkommen."
     "Dann bitte ich Sie, mir zu folgen." Dreißig bis vierzig Personen
mochten anwesend  sein. Im ersten Raum wurde  Bridge gespielt. Nebenan wurde
getanzt. Frau Sommer wies dem neuen Mitglied einen  freien Tisch  an, sagte,
daß  man  sich   notfalls  jederzeit   an   sie   wenden   könne,  und
verabschiedete  sich. Fabian  nahm Platz, bestellte beim Kellner  Kognaksoda
und sah sich um. War er auf einer Geburtstagsgesellschaft?
     "Die Menschen sehen harmloser  aus, als sie sind", bemerkte ein kleines
schwarzhaariges Fräulein  und  setzte  sich  neben  ihn. Fabian  bot ihr  zu
rauchen an.
     "Sie wirken sympathisch", sagte sie. "Sie sind im Dezember geboren."
     "Im Februar."
     "Aha! Sternbild der Fische und paar  Tropfen Wassermann. Ziemlich kalte
Natur. Sie kommen nur aus Neugierde?"
     "Die Atomtheoretiker  behaupten, noch  die  kleinsten  Substanzpartikel
bestünden aus umeinander  kreisenden  elektrischen Energiemengen. Halten Sie
diese Ansicht für eine Hypothese  oder für eine  Anschauung,  die dem wahren
Sachverhalt entspricht?"
     "Empfindlich  sind Sie  auch noch?"  rief  die  Person.  "Aber es macht
nichts. Sind Sie hier, um sich eine Frau zu suchen?"
     Er hob die Schultern. "Ist das ein förmlicher Antrag?"
     "Unsinn! Ich war zweimal verheiratet, das genügt vorläufig. Die Ehe ist
nicht  die richtige Ausdrucksform  für mich.  Dafür  interessieren mich  die
Männer zu sehr. Ich stelle mir  jeden, den ich sehe und der mir gefällt, als
Ehemann vor."
     "In seinen prägnantesten Eigenschaften, will  ich hoffen." Sie  lachte,
als  hätte  sie  den Schlucken,  und legte die Hand auf sein Knie.  "Richtig
gehofft! Man  behauptet, ich litte an stellungssuchender Phantasie.  Sollten
Sie im Verlauf des Abends das Bedürfnis haben,  mich nach  Hause zu bringen,
meine Wohnung und ich sind klein, aber  stabil." Er entfernte die fremde und
unruhige Hand von seinem Knie und meinte: "Möglich ist alles. Und jetzt will
ich mir  das  Lokal ansehen."  Er  kam  nicht  dazu.  Wie er sich  erhob und
umwandte, stand eine große, programmäßig gewachsene Dame vor ihm
und sagte: "Man wird gleich tanzen."
     Sie war größer als er  und blond  dazu. Die kleine schwarzhaarige
Schwadroneuse befolgte die Statuten  und verschwand. Der Kellner setzte das
Grammophon in Gang. An  den Tischen  entstand Bewegung.  Man tanzte.  Fabian
betrachtete die  Blondine  sorgfältig.  Sie  hatte  ein  blasses  infantiles
Gesicht  und sah  zurückhaltender aus, als sie,  ihrem  Tanze nach,  zu sein
schien. Er schwieg und spürte, daß in wenigen Minuten jener  Grad  von
Schweigsamkeit  erreicht  wäre,  der  den  Anfang  eines  Gesprächs,   eines
belanglosen dazu,  unmöglich  macht. Glücklicherweise trat er  ihr  auf  den
Fuß. Sie wurde gesprächig. Sie zeigte ihm die zwei Damen, die einander
neulich  wegen eines Mannes geohrfeigt und  die Kleider  aufgerissen hatten.
Sie  berichtete,  daß  Frau  Sommer  ein  Verhältnis  mit  dem  grünen
Liliputaner  habe,  und  erklärte,  daß sie sich  diese Liaison  nicht
auszumalen wage. Schließlich fragte sie, ob er noch bleiben wolle; sie
breche auf. Er ging mit.
     Am Kurfürstendamm winkte sie einem Taxi, nannte eine Adresse, stieg ein
und  nötigte ihn, neben ihr Platz  zu nehmen. "Aber ich habe  nur  noch zwei
Mark", erklärte er. "Das macht  fast gar nichts", gab  sie zur  Antwort, und
dem Chauffeur rief sie zu: "Licht aus!" Es wurde dunkel. Der Wagen ruckte an
und fuhr. Schon in der ersten Kurve fiel sie über ihn her und biß  ihn
in die  Unterlippe. Er schlug  mit der Schläfe gegen  das  Verdeckscharnier,
hielt sich den Kopf und sagte: "Aua! Das fängt gut an."
     "Sei  nicht  so empfindlich",  befahl  sie  und  überschüttete ihn  mit
Aufmerksamkeiten.
     Ihm kam der Überfall zu plötzlich. Und der Schädel tat ihm  weh. Fabian
war nicht bei der  Sache. "Ich wollte  eigentlich, bevor Sie  mich erwürgen,
noch einen Brief schreiben", röchelte er.
     Sie boxte ihn vors Schlüsselbein, lachte, ohne eine Miene zu verziehen,
die Tonleiter hinauf und herunter und  strangulierte weiter. Seine Bemühung,
sich der Frau zu erwehren, wurde zusehends falsch ausgelegt. Jede Wegbiegung
führte  zu neuen  Verwicklungen. Er beschwor das Schicksal, dem Auto weitere
Kurven zu ersparen. Das Schicksal hatte Ausgang.
     Als  der Wagen  endlich  hielt,  überpuderte die  Blonde  ihr  Gesicht,
bezahlte  die Fahrt und  äußerte  vor der Haustür: "Erstens  ist  dein
Gesicht voll roter Flecken, und zweitens trinkst du bei mir eine Tasse Tee."
     Er rieb  sich die Lippenpomade von  den  Backen und  sagte: "Ihr Antrag
ehrt mich, doch ich muß morgen zeitig im Büro sein."
     "Mach  mich  nicht wütend. Du bleibst bei mir.  Das Mädchen  wird  dich
wecken."
     "Aber ich werde nicht aufstehen. Nein, ich muß zu Hause schlafen.
Ich erwarte früh sieben Uhr  ein dringendes Telegramm. Das bringt die Wirtin
ms Zimmer und rüttelt mich, bis ich aufwache."
     "Wieso weißt du  schon jetzt, daß du ein Telegramm erhalten
wirst?"
     "Ich weiß sogar, was drinsteht."
     "Nämlich?"
     "Es  wird heißen:  "Scher dich  aus dem Bett. Dein treuer  Freund
Fabian." Fabian, das bin ich." Er blinzelte in das Laub der Bäume und freute
sich über den gelben Glanz der  Laternen.  Die Straße lag ganz  still.
Eine  Katze  lief geräuschlos ins Dunkel. Wenn er  jetzt die  grauen  Häuser
entlangspazieren könnte!
     "Die Geschichte mit dem Telegramm ist doch nicht wahr?"
     "Nein, aber das ist der pure Zufall", sagte er.
     "Wozu kommst  du in  den Klub,  wenn  dir  an den  Konsequenzen  nichts
liegt?" fragte sie ärgerlich und schloß die Tür auf.
     "Ich erfuhr die Adresse und bin sehr neugierig."
     "Also hopp!" sagte sie. "Der Neugier sind keine Schranken gesetzt." Die
Tür schloß sich hinter ihnen.


     ZWEITES KAPITEL

     Es gibt sehr aufdringliche Damen
     Ein Rechtsanwalt hat nichts dagegen
     Betteln verdirbt den Charakter

     Im Fahrstuhl war ein Wandspiegel.  Fabian zog das  Taschentuch und rieb
die  roten Flecken  aus  dem  Gesicht.  Die Krawatte  saß  schief. Die
Schläfe brannte. Und die blasse Blondine sah auf ihn  herunter. "Wissen Sie,
was eine Megäre  ist?" fragte er. Sie legte den Arm um ihn.  "Ich weiß
es, aber ich bin hübscher."
     Am Türschild stand: Moll. Das Dienstmädchen  öffnete.  "Bringen Sie uns
Tee." "Der Tee steht in Ihrem Zimmer."
     "Gut. Gehen Sie schlafen!" Das Mädchen verschwand im Korridor.
     Fabian folgte  der Frau. Sie  führte ihn  geradewegs  ins Schlafzimmer,
schenkte Tee ein, stellte Kognak und  Zigaretten zurecht und sagte mit einer
umfassenden Geste: "Bediene dich!"
     "Mein Gott, ein Tempo haben Sie am Leibe!"
     "Wo?" fragte sie.
     Er überhörte das. "Sie heißen Moll?"
     "Irene Moll sogar,  damit Leute mit Gymnasiumbildung  etwas  zu  lachen
haben. Setz dich. Ich komme gleich wieder."
     Er  hielt  sie zurück  und gab ihr  einen Kuß.  "Na,  es wird  ja
langsam", meinte sie und entfernte sich. Er trank einen Schluck Tee  und ein
Glas Kognak. Dann musterte er das  Zimmer.  Das Bett war  niedrig und breit.
Die Lampe gab indirektes Licht. Die Wände waren mit Spiegelglas bespannt. Er
trank noch  einen Kognak und trat ans  Fenster. Vergittert war es nicht. Was
hatte die Frau mit  ihm vor?  Fabian war  zweiunddreißig Jahre alt und
hatte sich  nachts fleißig umgetan,  auch dieser Abend  begann  ihn zu
reizen. Er trank den dritten Kognak und rieb sich die Hände.
     Er betrieb die  gemischten Gefühle seit langem aus Liebhaberei. Wer sie
untersuchen wollte, mußte sie haben.  Nur während man sie besaß,
konnte  man  sie  beobachten.  Man  war ein Chirurg,  der die  eigene  Seele
aufschnitt.
     "So, nun wird der kleine Junge geschlachtet", sagte die Blondine.
     Sie  trug  jetzt einen Schlafanzug aus schwarzen Spitzen. Er trat einen
Schritt zurück.  Sie aber rief  "Hurra!" und sprang ihm derart an den  Hals,
daß  er  die  Balance  verlor,  kippte  und  samt  der  Dame  auf  den
Fußboden zu sitzen kam.
     "Ist  sie nicht schrecklich?"  fragte  da  eine fremde  Stimme.  Fabian
blickte verwundert hoch. Im Türrahmen stand, mit einem Pyjama bekleidet, ein
dürrer, großnasiger Mensch und gähnte.
     "Was wollen Sie denn hier?" fragte Fabian.
     "Entschuldigen Sie,  mein Herr, aber ich konnte nicht wissen, daß
Sie mit meiner Frau bereits durchs Zimmer kriechen."
     "Mit Ihrer Frau?"
     Der Eindringling  nickte,  gähnte  verzweifelt und sagte  vorwurfsvoll:
"Irene,  wie konntest  du den Herrn in eine so schiefe Lage bringen! Wenn du
schon  wünschst, daß ich mir  deine Neuerwerbungen anschaue, kannst du
sie  mir wenigstens gesellschaftsfähig präsentieren. Auf  dem  Teppich!  Das
wird dem  Herrn sicher  nicht recht  sein! Und ich schlief  so schön, als du
mich  wecktest...  Ich  heiße  Moll, mein Herr, bin  Rechtsanwalt  und
außerdem",  er  gähnte  herzzerreißend, "und außerdem  der
Gatte dieser weiblichen Person, die sich auf Ihnen breitmacht."
     Fabian  schob  die Blondine  von sich herunter, stand  auf  und ordnete
seinen Scheitel.  "Hält sich  Ihre Gattin einen männlichen Harem? Mein  Name
ist  Fabian." Moll kam auf ihn zu und reichte ihm die Hand. "Es freut  mich,
einen so sympathischen jungen Mann kennenzulernen. Die  Umstände sind ebenso
gewöhnlich  wie  ungewöhnlich. Das ist  Ansichtssache. Aber falls  Sie  der
Gedanke beruhigt: ich bin daran gewöhnt. Nehmen Sie Platz."
     Fabian setzte  sich. Irene Moll rutschte auf die Armlehne,  streichelte
ihn  und  sagte zu ihrem Mann: "Wenn er  dir nicht  gefällt,  brech ich  den
Kontrakt."
     "Aber er gefällt mir ja", antwortete der Rechtsanwalt.
     "Sie  reden über mich, als  wäre ich ein Stück Streuselkuchen  oder ein
Rodelschlitten", meinte Fabian.
     "Ein  Rodelschlitten  bist  du,  mein  Kleiner!"  rief  die   Frau  und
preßte seinen Kopf gegen ihre volle, schwarz vergitterte Brust.
     "Himmeldonnerwetter!" schrie er. "Lassen Sie mich gefälligst in Ruhe!"
     "Du darfst deinen Besuch nicht  ärgern, liebe  Irene",  erklärte  Moll.
"Ich  werde  mit  ihm  in  mein  Arbeitszimmer  gehen  und  ihm  dort  alles
Wissenswerte mitteilen. Du vergißt,  daß  er  die  Situation als
merkwürdig  empfinden  muß. Ich schicke  ihn dir  dann wieder herüber.
Gute Nacht."  Der Rechtsanwalt gab seiner Frau  die  Hand. Sie  stieg in ihr
niedriges  Bett,  stand betrübt und  einsam zwischen  den Kissen  und sagte:
"Gute Nacht, Moll, schlaf gut. Aber red ihn nicht tot. Ich brauch ihn noch."
     "Ja, ja", antwortete Moll und zog den Gast mit sich fort.
     Sie  nahmen im Arbeitszimmer Platz.  Der Rechtsanwalt zündete sich eine
Zigarette  an,  fröstelte,  legte  eine  Kamelhaardecke  über  die  Knie und
blätterte in einem Aktenbündel.
     "Mich geht zwar die Sache nichts an", begann Fabian, "aber was Sie sich
von der Frau bieten lassen, steigt auf Bäume. Werden Sie oft von ihr aus dem
Bett geholt, um die Liebhaber zu taxieren?"
     "Sehr  oft, mein Herr. Ursprünglich erwirkte ich mir diese Begutachtung
als verbrieftes Recht.  Nach  dem ersten Jahr unserer Ehe setzten  wir einen
Kontrakt auf, dessen Paragraph 4 lautet: "Die Vertragspartnerin verpflichtet
sich, jeden  Menschen, mit dem  sie in intime Beziehungen zu treten wünscht,
zuvor ihrem  Gatten,  Herrn  Doktor  Felix Moll, vorzuführen.  Spricht  sich
dieser  gegen  den  Betreffenden aus,  so ist Frau  Irene  Moll  angewiesen,
unverzüglich  auf  die  Ausführung  ihres  Vorhabens  zu  verzichten.  Jedes
Vergehen  gegen  den  Paragraphen  wird  mit  einer  hälftigen  Kürzung  der
finanziellen Monatszuwendung geahndet." Der Kontrakt  ist  sehr interessant.
Soll  ich ihn in extenso vorlesen?" Moll holte den Schreibtischschlüssel aus
der Tasche.
     "Bemühen  Sie  sich nicht!" Fabian  wehrte ab. "Wissen möchte ich  nur,
wieso  Sie  auf  den  Gedanken  verfielen, einen  solchen Kontrakt überhaupt
aufzusetzen."
     "Meine Frau träumte so schlecht."
     "Wie?"
     "Sie träumte. Sie  träumte  entsetzliche Dinge. Es war  offensichtlich,
daß ihre sexuellen Bedürfnisse proportional  der Ehedauer zunahmen und
Wunschträume   erzeugten,   von   deren  Inhalt   Sie,   mein   Herr,   sich
glücklicherweise  noch keine Vorstellung machen können. Ich zog mich zurück,
und  sie   bevölkerte  ihr  Schlafzimmer   mit  Chinesen,  Ringkämpfern  und
Tänzerinnen. Was blieb mir übrig? Wir schlössen einen Vertrag."
     "Meinen  Sie nicht,  daß eine andere Behandlung erfolgreicher und
geschmackvoller gewesen wäre?" fragte Fabian ungeduldig.
     "Zum Beispiel, mein Herr?" Der Rechtsanwalt setzte sich aufrecht.
     "Zum Beispiel:
     pro Abend fünfundzwanzig hintendrüber?"
     "Ich hab's versucht. Es tat mir zu weh."
     "Das kann ich gut verstehen."
     "Nein!" rief der Rechtsanwalt.  "Das können Sie nicht  verstehen! Irene
ist sehr kräftig, mein Herr."
     Moll  senkte  den  Kopf.  Fabian  zog  eine  weiße Nelke  aus der
Schreibtischvase,  steckte  die  Blume  ins  Knopfloch, erhob  sich, lief im
Zimmer umher und  rückte die  Bilder  gerade.  Vermutlich hatte es dem alten
langen Kerl auch noch Vergnügen gemacht,  von  seiner Frau übers Knie gelegt
zu werden.
     "Ich will gehen", sagte er. "Geben Sie mir den Hausschlüssel!"
     "Ist  das Ihr Ernst?" fragte Moll  ängstlich.  "Aber Irene erwartet Sie
doch. Bleiben Sie, um des Himmels willen! Sie wird außer sich geraten,
wenn sie sieht,  daß Sie gegangen sind! Sie wird denken, ich hätte Sie
weggeschickt.  Bleiben Sie bitte! Sie hat sich so darauf gefreut. Gönnen Sie
ihr doch das kleine Vergnügen!"
     Der Mann war aufgesprungen und packte den Besucher am Jackett. "Bleiben
Sie doch! Sie werden es  nicht  bereuen. Sie werden wiederkommen. Sie werden
unser Freund bleiben. Und ich werde Irene in guten Händen wissen. Tun  Sie's
mir zu Gefallen."
     "Vielleicht  wollen Sie  mir  auch noch  ein  sicheres  Monatseinkommen
garantieren?"
     "Darüber ließe sich reden, mein Herr. Ich bin nicht unvermögend."
     "Geben Sie mir den Hausschlüssel,  aber etwas plötzlich! Ich eigne mich
nicht für den Posten."
     Doktor  Moll  seufzte,  kramte  auf dem  Schreibtisch, gab Fabian einen
Schlüsselbund  und  sagte:  "Jammerschade,  Sie  waren  mir  von  Anfang  an
sympathisch. Behalten Sie die Schlüssel ein paar  Tage. Vielleicht überlegen
Sie sich's. Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, Sie wiederzusehen."
     Fabian knurrte: "Gute Nacht", ging leise durch die Diele,  nahm Hut und
Mantel, öffnete die Tür, zog sie vorsichtig  hinter  sich zu und galoppierte
die Treppe hinunter. Auf der Straße holte er tief Atem  und schüttelte
den Kopf.  Da spazierten  die Menschen hier unten  vorüber und hatten  keine
Ahnung, wie  verrückt  es hinter den Mauern  zuging! Die  märchenhafte Gabe,
durch Mauern  und verhängte Fenster  zu blicken,  war eine Kleinigkeit gegen
die Leistung, das, was man dann sähe, zu ertragen.
     "Ich bin  sehr neugierig", hatte er der blonden Person erzählt, und nun
lief er auf und davon, statt  seine Neugier mit dem Ehepaar Moll zu füttern.
Dreißig  Mark war  er  losgeworden. Zwei  Mark  hatte er  noch in  der
Tasche. Aus dem Abendessen wurde nichts. Er pfiff  sich eins, ging kreuz und
quer durch düstere, unbekannte  Alleen und  geriet, aus  Versehen,  vor  den
Bahnhof Heerstraße.  Er  fuhr  bis  zum  Zoo,  dort  sprang  er m  die
Untergrundbahn,   stieg   am    Wittenbergplatz   um   und   kam   in    der
Spichernstraße  aus  der  Unterwelt  wieder herauf  unter  den  freien
Himmel.
     Er  ging in sein  Stammcafé. Nein, Doktor Labude sei nicht mehr  da. Er
habe bis elf Uhr gewartet. Fabian setzte sich, bestellte Kaffee und rauchte.
     Der  Wirt,  ein gewisser Kowalski,  erkundigte  sich  nach  dem  werten
Befinden. Heute abend sei übrigens  etwas sehr  Komisches passiert. Kowalski
lachte, daß die falschen Zähne  blitzten.  Der Kellner Nietenführ habe
es  zuerst beobachtet.  "Dort  drüben  am runden Tisch saß ein  junges
Paar.  Die beiden unterhielten sich  prächtig. Die Frau streichelte die Hand
des Mannes in einem fort. Sie lachte,  zündete ihm eine Zigarette an und war
von einer Liebenswürdigkeit, die nicht häufig ist."
     "Das ist doch nicht komisch."
     "Warten  Sie  ab, bester  Herr Fabian. Warten Sie nur  ab! Die  Frau  -
hübsch war  sie, das muß man ihr  lassen - poussierte gleichzeitig mit
einem Herrn vom Nebentisch.  Und  das in einer Weise! Nietenführ  holte mich
unauffällig   heran.   Der  Anblick   war   toll.  Der   Kerl   steckte  ihr
schließlich einen Zettel zu. Sie las, nickte, schrieb ihrerseits einen
Wisch  und  warf ihn  auf den Nebentisch. Währenddessen sprach sie aber auch
auf ihren Freund ein,  erzählte ihm  Geschichten, über die er sich  freute -
ich  habe schon sehr  tüchtige Frauen gesehen,  aber diese Simultanspielerin
übertraf alle."
     "Warum ließ er sich denn das gefallen?"
     "Einen Moment, bester Herr  Fabian. Die  Pointe kommt sofort! Also, wir
wunderten  uns  natürlich  auch,  warum  er  sich  das bieten ließ. Er
saß  zufrieden neben  ihr, lächelte  einfältig, legte den Arm  um ihre
Schultern,  und währenddessen  nickte sie  dem Mann vom Nebentisch zu.  Der
nickte zurück, machte Zeichen, und uns blieb die Spucke weg. Nietenführ ging
dann hinüber,  weil sie zahlen wollte." Herr  Kowalski steckte den  massigen
Kopf hoch und lachte himmelwärts. "Nun, woran lag's?"
     "Der Mann, mit dem  sie zusammensaß, war blind!"  Der Wirt machte
eine Verbeugung  und lief,  laut  lachend, davon.  Fabian  blickte  erstaunt
hinterher. Der Fortschritt der Menschheit war unverkennbar.
     An der Tür ging  es  lebhaft  zu. Nietenführ und der Hilfskellner waren
damit beschäftigt, einen schäbig gekleideten Mann hinauszudrängen.  "Scheren
Sie sich auf der  Stelle  fort.  Den  ganzen  Tag diese  Bettelei,  das  ist
ekelhaft",  sagte  Nietenführ  zischend.  Und  der Hilfskellner  zerrte  den
Menschen, der blaß war und kein Wort sprach, hin und her.
     Fabian sprang auf, lief zu der Gruppe und rief den Kellnern zu: "Lassen
Sie sofort den Herrn los!" Die zwei gehorchten widerstrebend.
     "Da sind Sie ja", meinte  Fabian und gab dem Bettler die Hand.  "Es tut
mir   außerordentlich   leid,   daß   man   Sie  gekränkt   hat.
Entschuldigen  Sie und kommen Sie an meinen  Tisch." Er führte den Mann, der
nicht wußte,  wie ihm  geschah, in seine  Ecke,  hieß ihn  Platz
nehmen und  fragte:  "Was möchten  Sie  essen?  Wollen  Sie  ein  Glas  Bier
trinken?"
     "Sie  sind  sehr freundlich", sagte der Bettler. "Aber  ich werde Ihnen
Ungelegenheiten machen."
     "Hier ist die Speisekarte. Suchen Sie sich, bitte, etwas aus."
     "Das   geht   nicht!   Man   wird   mich   vom   Tisch   wegholen   und
hinausschmeißen."
     "Das wird man nicht tun! Nehmen Sie sich zusammen!
     Bloß,  weil  Ihr Jackett  geflickt ist  und weil Ihnen  der Magen
knurrt, wagen Sie nicht, richtig auf dem Stuhl zu
     sitzen?  Sie  sind ja  selber mitschuldig,  daß man  Sie nirgends
durch die Tür läßt."
     "Wenn  man zwei Jahre arbeitslos ist, denkt man anders  darüber", sagte
der Mann. "Ich schlafe am Engelufer in der Herberge. Zehn Mark zahlt mir die
Fürsorge. Mein Magen ist krank vom vielen Kaviar."
     "Was sind Sie von Beruf?"
     "Bankangestellter,  wenn ich mich recht entsinne. Im Gefängnis war  ich
auch schon.  Gott, man  sieht sich eben um. Das  einzige, was ich noch nicht
erlebt habe,  ist der Selbstmord.  Aber das  läßt sich nachholen." Der
Mann saß  auf  der  Stuhlkante und  hielt die Hände zitternd  vor  den
Westenausschnitt,  um das dreckige  Hemd  zu  verbergen.  Fabian wußte
nicht, was er sagen  sollte. Er probierte,  im Kopf, viele Sätze. Keiner war
am  Platz. Er stand auf und sagte:  "Einen Augenblick, der Kellner  wünscht,
von einer Abordnung geholt zu werden." Er lief nach  dem Büfett, stellte den
Oberkellner zur Rede, faßte ihn am Arm und schleppte ihn durchs Lokal.
     Der Bettler war fort.
     "Ich zahle morgen!" rief Fabian, stürzte aus dem Café  und sah sich um.
Der Mann war verschwunden.

     "Wen suchen Sie  denn?" fragte jemand. Es war Münzer, Redakteur Münzer.
Er  knöpfte den Mantel  zu, brannte sich eine Zigarre an und sagte: "So  ein
Blödsinn.  Ich hätte  die  Partie glatt gewonnen.  Schmalnauer  hat wie  ein
Rhinozeros gespielt. Aber ich muß zum Nachtdienst. Das  deutsche  Volk
will  morgen  früh wissen, wieviel  Dachstuhlbrände stattfanden, während  es
schlief."
     "Sie sind doch ein politischer Redakteur", entgegnete Fabian.
     "Dachstuhlbrände  gibt's  auf  jedem  Gebiet",  sagte  Münzer.  "Gerade
nachts. Das muß an der Konstruktion liegen. Wissen Sie was, kommen Sie
mit! Sehen Sie sich mal unsern Zirkus an."
     Münzer stieg in seinen kleinen  Privatwagen. Fabian  setzte sich  neben
den Redakteur. "Seit wann haben Sie übrigens ein Auto?" fragte er.
     "Ich  hab es unserm  Handelsredakteur abgekauft. Dem wurde das Ding  zu
teuer",  erklärte Münzer. "Er  ärgert sich immer so schön,  wenn er mich  in
sein ehemaliges  Prachtstück  klettern sieht.  Das ist  der Spaß schon
wert. Wissen Sie,  daß Sie auf eigenes  Risiko mitfahren? Sollten  Sie
sich das Genick brechen, tun Sie's auf Ihre Rechnung."
     Dann fuhren sie los.


     DRITTES KAPITEL

     Vierzehn Tote in Kalkutta
     Es ist richtig, das Falsche zu tun
     Die Schnecken kriechen im Kreis

     Der  Korridor war leer.  In  der  Handelsredaktion  brannte  Licht,  es
saß  jemand im  Zimmer, die Tür stand offen. "Schade, daß  Malmy
schon im  Haus ist", sagte  Münzer verstimmt.  "Nun hat er  sein Auto wieder
nicht gesehen. Moment. Mal horchen, was sich in der Weltgeschichte tut."
     Er  riß  eine Tür auf,  Schreibmaschinen  klapperten, aus  den an
einer Zimmerwand aufgereihten Telefonkabinen drangen, wie aus der Ferne, die
Stimmen  der  Stenotypistinnen.  "Was Wichtiges?" schrie Münzer in  den Lärm
hinein.
     "Die Rede des Reichskanzlers", antwortete eine Frau.
     "Richtig", sagte der Redakteur. "Der Kerl schmeißt mir mit seiner
Quasselei die ganze erste Seite über den  Haufen. Liegt der Text vollständig
vor?"
     "Zelle  Zwei  nimmt das  zweite  Drittel auf!"  "Sofort m  die Maschine
damit,  dann zu  mir!"  kommandierte  Münzer, schlug die Tür  zu  und führte
Fabian in die Räume der politischen Redaktion.  Während sie ablegten, zeigte
er auf den Schreibtisch. "Schauen Sie  sich die  Bescherung an! Erdbeben aus
Papier!" Er wühlte  in dem  Haufen  neu eingegangener Meldungen, schnitt mit
einer  Schere, wie  ein  Zuschneider, einiges ab und legte es  beiseite. Den
Rest warf er in den Papierkorb. "Marsch, ins Körbchen", sagte er dabei. Dann
klingelte  er, bestellte bei einem  livrierten Boten eine Flasche Mosel  mit
zwei Gläsern und  gab  Geld.  Der  Bote  stieß in  der  Tür mit  einem
aufgeregten jungen  Mann  zusammen, der  herein wollte. "Der Chef  hat  eben
angerufen", erzählte der junge  Mann atemlos. "Ich muß im  Leitartikel
fünf  Zeilen streichen. Sie wären durch neue Nachrichten überholt. Ich komme
gerade aus der Setzerei und habe die fünf Zeilen herausnehmen lassen."
     "Sie  sind  ein Tausendsassa",  erklärte  Münzer.  "Ich mache  bekannt:
Doktor Irrgang, hat noch eine große Zukunft vor sich,  Irrgang ist der
Künstlername. Herr Fabian." Die beiden gaben einander die Hand.
     "Aber", sagte Herr Irrgang  betreten, "nun sind doch in der Spalte fünf
Zeilen frei."
     "Was tut man m einem so außergewöhnlichen Fall?" fragte Münzer.
     "Man  füllt die Spalte",  erklärte der  Volontär. Münzer nickte. "Steht
nichts im Satz?" Er  wühlte in  den  Bürstenabzügen. "Ausverkauft", erklärte
er. "Sauregurkenzeit."
     Dann prüfte er die  Meldungen, die er  eben beiseite gelegt  hatte, und
schüttelte den Kopf.
     "Vielleicht kommt noch etwas Brauchbares herein", schlug der junge Mann
vor.
     "Sie   hätten  Säulenheiliger  werden  sollen",  sagte  Münzer.   "Oder
Untersuchungsgefangener, oder sonst ein  Mensch mit viel Zeit. Wenn man eine
Notiz  braucht und  keine hat,  erfindet  man sie.  Passen  Sie mal auf!" Er
setzte sich  hin, schrieb rasch, ohne nachzudenken, ein paar  Zeilen und gab
das  Blatt dem jungen Mann.  "So,  nun fort, Sie Spaltenfüller. Wenn's nicht
reicht, ein Viertel Durchschuß."
     Herr  Irrgang las, was  Münzer  geschrieben  hatte,  sagte  ganz leise:
"Allmächtiger  Vater"  und  setzte  sich,  als  sei  ihm plötzlich  schlecht
geworden,  auf  die   Chaiselongue,   mitten  in   einen  knisternden   Berg
ausländischer Zeitungen.
     Fabian  bückte  sich  über  das  Blatt  Papier,  das  in  Irrgangs Hand
zitterte,  und  las:  "In   Kalkutta  fanden  Straßenkämpfe   zwischen
Mohammedanern  und Hindus statt. Es  gab, obwohl die  Polizei  der Situation
sehr bald  Herr  wurde, vierzehn Tote und zweiundzwanzig Verletzte. Die Ruhe
ist vollkommen wiederhergestellt." Ein alter Mann schlurfte m Pantoffeln ins
Zimmer   und   legte   mehrere   Schreibmaschinenblätter  vor  Münzer   hin.
"Kanzlerrede, Fortsetzung", murmelte er. "Den Schluß geben sie in zehn
Minuten durch." Dann schleppte er sich wieder davon. Münzer klebte die sechs
Blätter, aus denen die Rede vorläufig bestand,  aneinander, bis sie wie  ein
mittelalterliches Spruchband aussahen, dann begann er zu redigieren.  "Mach
hurtig, Jenny", sagte er mit einem Seitenblick auf Irrgang.
     "Aber  in  Kalkutta  haben  doch  gar  keine   Unruhen  stattgefunden",
entgegnete  Irrgang  widerstrebend.  Dann senkte  er  den  Kopf  und  meinte
fassungslos: "Vierzehn Tote."
     "Die  Unruhen  haben  nicht  stattgefunden?"  fragte  Münzer entrüstet.
"Wollen  Sie mir das  erst mal beweisen?  In  Kalkutta finden  immer Unruhen
statt. Sollen wir vielleicht mitteilen, im Stillen Ozean sei die Seeschlange
wieder aufgetaucht?  Merken Sie sich folgendes: Meldungen,  deren Unwahrheit
nicht  oder erst nach Wochen festgestellt  werden kann,  sind wahr. Und  nun
entfernen  Sie  sich  blitzartig,  sonst  lasse  ich  Sie  martern  und  der
Stadtausgabe beilegen." Der junge Mann ging.
     "Und  so  was  will  Journalist  werden",  stöhnte  Münzer  und  strich
aufseufzend und mit einem  Bleistift in der  Rede des Reichskanzlers  herum.
"Privatgelehrter für Tagesneuigkeiten, das wäre was für den Jüngling. Gibt's
aber leider nicht."
     "Sie bringen ohne  weiteres vierzehn Inder um und zweiundzwanzig andere
ins Städtische Krankenhaus von Kalkutta?" fragte Fabian.
     Münzer bearbeitete den Reichskanzler. "Was soll man machen?" fragte er.
"Im  übrigen,  wozu das  Mitleid  mit den Leuten?  Sie leben  ja  noch, alle
sechsunddreißig,  und sind kerngesund. Glauben Sie  mir, mein  Lieber,
was wir hinzudichten,  ist nicht so schlimm wie das, was wir weglassen." Und
dabei strich er wieder eine halbe Seite aus dem Text der Kanzlerrede heraus.
"Man beeinflußt  die  öffentliche  Meinung mit Meldungen wirksamer als
durch Artikel,  aber am  wirksamsten  dadurch, daß man weder  das eine
noch das andere bringt. Die bequemste öffentliche Meinung ist noch immer die
öffentliche Meinungslosigkeit."
     "Dann stellen Sie doch das Erscheinen des Blattes ein", meinte Fabian.
     "Und  wovon  sollen  wir leben?" fragte  Münzer.  "Außerdem,  was
sollen wir statt dessen tun?"
     Dann kam der livrierte Bote und brachte den Wein und die Gläser. Münzer
schenkte ein  und  hob sein Glas. "Die  vierzehn  toten Inder sollen leben!"
rief  er  und trank.  Dann  fiel  er  wieder über  den  Kanzler her.  "Einen
Stuß  redet unser  hehres  Staatsoberhaupt  wieder  einmal  zusammen!"
erklärte er. "Das ist geradezu ein Schulaufsatz über  das Thema: Das Wasser,
in  dem  Deutschlands  Zukunft  liegt,  ohne  unterzugehen. In  Untersekunda
kriegte er dafür die  Drei." Er drehte sich zu Fabian herum und fragte: "Und
wie überschreibt man den Scherzartikel?"
     "Ich  möchte  lieber  wissen, was Sie drunterschreiben",  sagte  Fabian
ärgerlich.
     Der andere trank wieder, bewegte  langsam den Wein im  Mund,  schluckte
hinter  und  antwortete: "Keine Silbe. Nicht ein  Wort. Wir haben Anweisung,
der Regierung  nicht  in den Rücken zu  fallen.  Wenn  wir dagegenschreiben,
schaden wir uns, wenn wir schweigen, nützen wir der Regierung."
     "Ich mache Ihnen einen Vorschlag", sagte Fabian. "Schreiben Sie dafür!"
     "O nein", rief Münzer. "Wir sind anständige Leute. Tag, Malmy."

     Im Türrahmen stand ein schlanker eleganter Herr und nickte ins Zimmer.
     "Sie  dürfen ihm  nichts  übelnehmen",  sagte der  Handelsredakteur  zu
Fabian.  "Er ist seit zwanzig Jahren  Journalist und glaubt bereits,  was er
lügt. Über  seinem Gewissen  liegen zehn  weiche Betten, und obenauf schläft
Herr  Münzer  den Schlaf  des  Ungerechten."  Der  alte Bote brachte  wieder
Schreibmaschinenblätter. Münzer griff nach einem  Leimtopf, vervollständigte
das   Spruchband   des   Reichskanzlers   und    redigierte   weiter.   "Sie
mißbilligen die Indolenz Ihres Kollegen?" fragte  Fabian Herrn  Malmy.
"Was tun Sie außerdem?"
     Der  Handelsredakteur lächelte, freilich  nur mit dem Mund.  "Ich  lüge
auch", erwiderte er. "Aber ich  weiß es. Ich weiß, daß das
System falsch ist. Bei uns in der Wirtschaft sieht das ein Blinder. Aber ich
diene dem falschen System mit Hingabe. Denn im Rahmen  des falschen Systems,
dem ich  mein bescheidenes Talent zur Verfügung stelle,  sind  die  falschen
Maßnahmen   naturgemäß   richtig    und   die   richtigen   sind
begreiflicherweise falsch. Ich bin ein Anhänger der eisernen Konsequenz, und
ich bin außerdem ..."
     "Ein  Zyniker", warf  Münzer  ein, ohne  aufzublicken.  Malmy  hob  die
Schultern. "Ich wollte  sagen, ein Feigling. Das trifft  noch genauer.  Mein
Charakter ist  meinem Verstand in keiner Weise  gewachsen.  Ich  bedaure das
aufrichtig, aber ich tue nichts mehr dagegen."
     Doktor  Irrgang, der  junge Mann, trat ein  und besprach mit Münzer  an
Hand der Postauflage, welche  Meldungen sie  aus dem Blatt werfen und welche
sie statt dessen in die Stadtausgabe übernehmen wollten. Es waren in der Tat
zwei Dachstuhlbrände passiert. In Genf waren außerdem einige  nebulose
Worte  gefallen,  die  der  deutschen   Minderheit  in  Polen  galten.   Den
ostelbischen   Großgrundbesitzern  waren  vom  Landwirtschaftsminister
Zollerhöhungen  in Aussicht  gestellt  worden. Die  Untersuchung  gegen  die
Direktoren  des  Städtischen  Beschaffungsamtes  hatte  eine  einschneidende
Wendung erfahren.
     "Und wie überschreiben wir die Rede des Reichskanzlers?" fragte Münzer.
"Los,  Herrschaften. Zehn Pfennige  für  eine gute  Schlagzeile.  Die  Sache
muß in Satz. Wenn die Matern zu  spät kommen, kriegen wir wieder Krach
mit dem Maschinenmeister."
     Der junge  Mann  dachte  so  angestrengt  nach,  daß  seine Stirn
schwitzte. "Der Kanzler fordert Vertrauen", schlug er vor.
     "Mäßig", urteilte Münzer.  "Nehmen  Sie sich ein  Wasserglas, und
trinken Sie erst einen Schluck Wein!"  Der junge Mann befolgte den Rat,  als
sei er ein Befehl. "Deutschland oder die Trägheit des Herzens", sagte Malmy.
     "Reden Sie keinen Unsinn!" rief  der politische Redakteur. Dann schrieb
er eine Zeile groß mit dem Bleistift über das Manuskript und erklärte:
"Der Groschen gehört mir." "Was haben Sie denn geschrieben?" fragte Fabian.
     Münzer   drückte  auf   den   Klingelknopf   und  erklärte  pathetisch:
"Optimismus ist Pflicht, sagt der Kanzler!" Der Bote  holte die Papiere. Der
Handelsredakteur griff in die Tasche  und legte wortlos ein Zehnpfennigstück
auf den Schreibtisch.
     Sein Kollege blickte verwundert hoch.
     "Ich  eröffne  hiermit  eine  Aktion,  die  umgehend  notwendig  wird",
behauptete Malmy.
     "Um welche Aktion handelt es sich?"
     "Darum,  Ihnen  Ihr  Schulgeld  zurückzuerstatten",  sagte  Malmy,  und
Irrgang,  der politische  Lehrling, lachte in Grenzen.  Dann  stürzte er ans
Telefon. Es hatte geläutet. "Ein Abonnent möchte etwas wissen", bekundete er
nach einiger Zeit und überdeckte das Sprachrohr mit der Hand. "Sie sitzen am
Stammtisch und haben  gewettet, ob  es die Tür oder die  Türe  heißt."
Münzer  nahm ihm  den  Hörer weg.  "Einen  Augenblick", sagte er. "Wir sagen
Ihnen sofort Bescheid,  mein Herr."  Dann winkte er Irrgang  und  flüsterte:
"Feuilleton."
     Der junge Mann rannte fort, kehrte zurück und zuckte die Achseln.
     "Ich erfahre soeben, daß es die Tür heißen muß. Bitte
schön. Guten  Abend." Münzer legte den  Hörer auf die  Gabel, schüttelte den
Kopf und steckte Malmys Groschen ein.
     Hinterher saßen sie in einer kleinen  Weinstube, die in der  Nähe
des  Zeitungsgebäudes gelegen war.  Münzer hatte sich von einem Setzer,  der
nach Hause ging, das Blatt bringen lassen, um zu prüfen, ob alles in Ordnung
sei. Er hatte sich über ein paar Druckfehler geärgert, über  die Schlagzeile
auf  der  ersten  Seite  hatte   er  sich   gefreut.  Dann  war  Strom,  der
Theaterkritiker, an den  Tisch  gekommen.  Nun  tranken  sie  fleißig.
Irrgang, der  junge  Mann, war  schon fast  hinüber.  Strom,  der  Kritiker,
verglich  einige  namhafte  Regisseure   mit  Schaufensterdekorateuren,  das
Theater der  Gegenwart erschien  ihm symptomatisch  für  den  Niedergang des
Kapitalismus, und als jemand einwarf, es gebe  keine  Dramatiker, behauptete
Strom, es gebe welche.
     "Ganz nüchtern sind Sie auch nicht mehr", bemerkte Münzer schwerzüngig,
und Strom lachte ohne Anlaß.

     Fabian ließ sich inzwischen,  nicht  ganz  freiwillig,  von Malmy
über kurzfristige Anleihen aufklären. "Erstens  werden Reich und  Wirtschaft
in wachsendem Maße überfremdet",  behauptete der  Redakteur. "Zweitens
genügt ein Riß, und die ganze Bude fällt  ein. Wenn  das  Geld  mal in
großen  Posten abgerufen  wird, sacken  wir alle  ab,  die Banken, die
Städte, die Konzerne, das Reich."
     "Aber im Blatt schreiben Sie nichts davon", sagte Irrgang.
     "Ich  helfe, das Verkehrte  konsequent zu  tun. Alles,  was gigantische
Formen  annimmt, kann  imponieren, auch  die Dummheit." Malmy  musterte  den
jungen Mann. "Gehen Sie mal rasch hinaus, bei Ihnen ist ein kleines Unwetter
im   Anzug."  Irrgang   legte   den  Kopf  auf   den   Tisc